Gut zu wissen

Land & Leute

Berge, Täler, Gipfel. Ja, natürlich, aber nicht nur. Die Schweizer Landschaft ist vielfältiger als ihr Ruf und lässt sich ebenso wenig über einen Alpenkamm scheren wie die Bevölkerung. Nicht umsonst gilt die Schweiz als Europa im Kleinen. Die Alpen nehmen zwar zwei Drittel des Landes ein, doch im Nordwesten vorgelagert zieht sich das eher sanfte Mittelland dahin und trennt das Hochgebirge vom weniger schroffen Jura, das sich in einem Bogen von der Rhone nach Nordosten bis zum Rhein erstreckt. Was den Schweizern an Meer fehlt, ersetzen die reizvollen Seen, allen voran der Genfer und der Vierwaldstätter See.
Glauben Sie nicht, dass Sie mit einem Grüezi mitenand in der Schweiz sehr weit kommen. Etwa zwölf Prozent der Schweizer sprechen Italienisch, überwiegend im Tessin, 18 Prozent sprechen Französisch, vor allem in der West- und Südwestschweiz, und ein Prozent in Graubünden pflegt gar das Rätoromanisch als Landessprache. Und die 65 Prozent der Schwyzerdütsch Sprechenden werden sich hüten, auf ihre Dialekte zu verzichten. Und doch vereint die Schweizer ein unbändiger Drang zur Freiheit, ein pragmatischer Erfindergeist und eine entspannte Gelassenheit. Vielleicht die wichtigsten Voraussetzungen, um aus einem rohstoffarmen, gebirgigen Land eine der reichsten Wirtschaftsnationen der Erde zu machen, kluge Köpfe hervorzubringen wie Dürrenmatt, Max Frisch, Giacometti oder Jean Tinguely oder den Klettverschluss und Flüssigkristallbildschirm zu erfinden. Alles "Made in Swiss".

Essen & Trinken

Mehr als Züricher Geschnetzeltes und Schweizer Käse: Die eidgenössische Küche speist sich aus dem reichhaltigen Fundus italienischer, französischer und schwäbischer Kochkunst. Und doch ist immer eine typisch helvetische Note dabei: kreative Qualität.
Trotz Klischee: Der Schweizer Käse bleibt ein Markenzeichen, egal, ob man ihn vom Rechaud als Fondue, mit Pellkartoffeln als Raclette oder einfach als Emmentaler auf dem Brot isst. Und wer kennt nicht den Appenzeller, den Gruyere, die Tessiner Formaggini oder Schabziger aus dem Glarnerland.
Wie der Käse wechseln auch die übrigen Gerichte zwischen feiner Leichtigkeit und deftigem Charme: Hier die Berner Schlachtplatte mit Sauerkraut und Kartoffeln, dort die Felchen, Saiblinge und Egli aus den Schweizer Seen. Hier die Papet Vaudois, ein in Schmalz gedünstetes Kartoffel-Lauch-Gemüse, dort die Tessiner-Polenta, hier die Waadtländer Saucisson, eine geräucherte Schweinewurst, dort das zarte Risotto. Da prallen - zum Wohle des Gastes - Esskulturen aufeinander.
Ist noch Platz für ein Stück Engadiner Nusstorte oder Zuger Kirschtorte? Wenn nicht, reicht es sicher noch für ein Pflümli, Zuger Kirschwasser oder Le Bon Pére William, den Williamsbirnenschnaps. Dazu gehört ein einheimischer Wein aus den Hauptanbaugebieten an der Rhone, am Genfer oder Neuenburger See. Zum Wohl. Ach ja: Und dann war da noch ein gewisser Herr Maggi aus dem Kanton Thurgau, der die Welt mit seiner Würze beglückte. Wie immer: alles Geschmackssache.

Aktivitäten

Wer in der Schweiz Sport treiben will, steht vor einer großen Herausforderung: den Alpen. Das Massiv lockt mit einer großartigen Naturkulisse. Zum Wintersport, Rafting, Wandern, Bergsteigen, Drachenfliegen oder Paragliding. Jedes Jahr folgen Millionen diesem Lockruf. Mit rund 50.000 km markierten Wanderwegen, 50 Bergsteigerschulen und über 1.200 Bergführern ist die Schweiz ein Eldorado für Wanderer und Alpinisten. Kaum fallen die ersten Flocken, kommen auch schon die Wintersportler. Zum Eislaufen, Pferdeschlittenfahren, Eisstockschießen, Langlaufen, Rodeln und natürlich Skifahren. Die Alpen adeln die Eidgenossenschaft mit zahlreichen Viertausendern und schaffen einige der weltweit schönsten Skiregionen wie Les Quatres Vallées, Zermatt und Saas Fee, St. Moritz, Crans Montana oder auch die Jungfrau-Region im Berner Oberland. Noch mehr Thrill versprechen Rafting-Touren oder auch Hydrospeed-Trips auf schlittenähnlichen Plastikunterlagen durch enge Schluchten. Weniger Bodenständige zieht es in die Luft, zum Drachenfliegen oder Paragliden. Selbst das Radfahren hat in der Schweiz einen alpinen Charakter. Hier trägt das Mountainbike seinen Namen zu Recht. Wer es etwas ruhiger angehen möchte, kehrt dem mächtigen Gebirge für einen Augenblick den Rücken. Zum Beispiel um auf einem der über 50 Plätze zu golfen. Und wer glaubt, dass der Wassersport hier ein Schattendasein führt, verkennt die Schönheit der Schweizer Seen: Segeln, Surfen, Wasserski und Rudern gehören zum Standard.

Ausgehen

Sie haben die Wahl zwischen internationalem Flair und regionalem Brauchtum. Die multikulturelle Schweiz liebt es weltoffen, aber traditionsbewusst. Das Ergebnis: regionaltypische Gasthäuser und Feste, aber auch hippe Trend-Locations und Events. Selbst in den großen Städten prallen regionale Traditionen und coole Szenen aufeinander. Beispiel Basel: Wechseln Sie doch einfach mal aus der Gifthüttli ins jazzige Bird's Eye. Oder Bern: Vom Goldenen Schlüssel zur Live-Musik ins Chikito. Oder Genf: Vom Saint-Germain ins Réve d'O. Natürlich können Sie sich auch unter den Jet-Set in St. Moritz mischen, bevor Sie nur wenige Kilometer weiter in eines der "urchigen", eben typischen Gasthäuser einkehren.
Wo auch immer Sie ausgehen, eines stimmt fast immer: die Qualität. Ballermann-Niveau ist in der Schweiz nicht gefragt. Kultur ist angesagt, egal, ob in der kunterbunten Kleinkunstszene Basels oder im Grand Théatre von Genf. Oder auf den regionalen Festen und Events, den regelmäßigen Höhepunkten des touristischen Jahres: Nirgendwo ist die Fasnacht so bunt wie in Basel, wird der Winter nachhaltiger ausgetrieben als beim Zürcher Sechseläuten, kämpfen die Kühe so verbissen wie im Walliser Dorf Aproz.
Und die Schweizer Jazzevents? Legendär. Das Jazzfestival in Montreux genießt Weltruhm, das etwas subversivere Jazzfest in Willisau bei Luzern Insiderstatus. Und wer es eher klassisch mag, pilgert alljährlich zu den Luzerner Festwochen. Ausgehen in der Schweiz ist eben immer eine Frage des Stils.